Als ich klein war habe ich mit meiner Großmutter zu Beltaine oft "Maikränzchen"
für meine Freundinnen gebastelt:
Aus frisch geschnittenen Weidenzweigen und Kupferdraht gebunden und mit genau
sechs Dingen verziert. Diese Dinge sollten für mich in Farbe, Form oder Assoziation
etwas darstellen, was ich an der jeweiligen Freundin besonders schätze. Perlen,
Knöpfe, Murmeln ... alles war erlaubt. Die Kränzchen wurden ins Fenster gehängt.

Erst viele Jahre später habe ich die eigentliche Bedeutung der Maikränzchen zu hören
bekommen: Sie wurden ursprünglich für die unverheirateten Frauen gebastelt, um die
Suche nach der Liebe zu begünstigen. Die sechs besonderen Dinge im Kränzchen stehen
für die sechs herausragenden Eigenschaften welche die jeweilige Frau ausmachen.
Dinge, welche sie mit in die Partnerschaft bringt, auf die sie stolz ist, die sie definieren.
Dieses Maikränzchen hängt man ins Fenster der Küche - dem Herz des Haushaltes - um
sozusagen eine Annonce beim Universum aufzugeben. "Weiblich, ledig, jung sucht ..."
Den Beispielring habe ich für eine Freundin gebastelt. Da sie hier mitliest kann ich nur
einiges verraten. Etwa, dass mich die orangene Spirale an ihre Lebensfreude erinnert,
an die positive Energie, mit der sie einem noch in der verfahrensten Situation zur Seite
steht. Oder dass mich die Perle oben rechts an eine Chilischote erinnert und deswegen
auf dem Kränzchen ist - weil sie einfach "'ne heiße Braut" ist.
So habe ich in diesem Jahr in der Beltaine-Nacht einige Weidenzweige geschnitten
und daraus in der Nacht vor dem Mai-Vollmond Maikränzchen gebunden. Diese sind allerdings noch ganz "nackt", da ich zwar viele meiner Kundinnen inzwischen gut
kenne, aber eben nicht alle. Deswegen habe ich die Tradition etwas angepasst.
Wer ein Maikränzchen bestellt, muss mir die sechs Eigenschaften mitteilen, die sie an
sich selbst besonders schätzt. Ich suche dann sechs passende Perlen/Steine/Symbole etc. raus, vervollständige das Kränzchen und lege ein Laderitual bei, in dem man den sechs
Gegenständen dann noch persönlich "Leben einhaucht".
Für die Herren der Schöpfung ist das Produkt in diesem Fall leider nichts - der Kranz
ist ein weibliches Symbol. An einem anderen Feiertag in naher Zukunft wird es aber
ein ähnliches Produkt geben - dann natürlich mit einem geschmückten Stab.

















